Die Tücken der Heim-Automatisierung

Nicht immer macht neue Technik alles leichter, wie das aktuelle Beispiel des Briten Mark Rittman zeigt:

Ganze 11 Stunden (!) hat er auf eine einzige Tasse Tee warten müssen, weil sein moderner High-Tech-Wasserkocher verrückt spielte.  Das Gerät war zwar mit dem Wifi verbunden, doch hörte nicht auf die Anweisungen seines Besitzers.

tasse-tee

Zum Glück ist Mark Rittman hauptberuflich ein Data Scientist und kennt sich mit widerspenstiger Technik aus. Er entdeckte nach einiger Zeit schnell, dass der Wasserkocher über keine der üblichen Schnittstellen für Heimautomatik verfügte.

Fehlerhaftes WLAN

Er verband sich zwar mit dem WLAN, doch verlor anschließend gleich wieder die Verbindung. An den morgendlichen Tee war somit nicht mehr zu denken. Weder übers Smartphone noch über Drittlösungen wie Apple Homekit, IFTTT oder eine Amazon-API ließ sich die Tasse Tee zubereiten.

Es half also alles nichts, und Mr. Rittman programmierte schließlich selbst ein geeignetes Skript, um zum wohlverdienten Teegenuss zu kommen:

https://t.co/0IjD7q4wzM

Nach 11 Stunden schließlich klappte alles einigermaßen (auch wenn die WLAN-Verbindung noch immer alles andere als zuverlässig war). Trinken musste der Brite den Tee übrigens im Dunkeln. Die Philips Hue Lichter in seinem Haus gingen wegen eines Firmwareupdates am Abend offline.

Schöne neue Zukunft?

Das Beispiel zeigt ganz schön, dass wir uns noch nicht vollständig auf die neue Technik verlassen können. Wenn es nur um eine gewöhnliche Tasse Tee geht, dann stellt das sicher kein Problem dar – doch wenn es um wichtigere Dinge wie die eigene Gesundheit geht, dann bieten automatisierte Abläufe noch nicht genügend Sicherheit, um sich hundertprozentig darauf zu verlassen.

Ein fehlerhaftes Update im voll vernetzten Herzschrittmacher könnte zum Beispiel fatale Folgen für die Besitzer haben. Aber auch weniger dramatische Szenarien, wie eine vernetzte Küche (mit autonomen Herdplatten) könnten natürlich großen Schaden anrichten.

Auch der aktuelle Autopilot von Tesla ist vielen nicht geheuer. Ich als grundsätzlicher Anhänger des Fortschritts finde eine solche vorsichtige Herangehensweise an neue Technologien begrüßenswert. Wer schon einmal mit (unfertiger) Software zu tun hatte, weiß wie fehleranfällig sie selbst bei fähigen Leuten sein kann.

Je komplexer das Szenario, desto wahrscheinlicher werden Bugs

Natürlich arbeiten die großen Tech-Giganten im Sauseschritt daran, die Technologien voranzutreiben. Das amüsante Beispiel des Briten sollte uns aber eine (kleine) Warnung sein, dem Fortschritt nicht blind zu vertrauen.

Auf der anderen Seite sollten wir den Glauben an eine bessere Welt nicht aufgrund solcher kleinen Vorfälle ignorieren. Natürlich ist das vernetzte Heim (und damit der Alltag) die Zukunft. Ohne Fehler und Vorfälle wie diesen hier kommt es auch sicher nicht zu den Verbesserungen, die für ein vollautomatisiertes Zuhause nötig sind.

Also: Keep calm and drink tea.

Mehr über die 11-stündige Leidensgeschichte des Briten kann man hier im Guardian nachlesen.

Bildquelle: kzinn@morguefile.com

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