Von Zahnbürsten, Smartwatches & Daten: Der vernetzte Alltag kommt

Selbstfahrende Autos und Kühlschränke, welche das Essen selbst bestellen klingen wie Zukunftsmusik – und doch sie werden in wenigen Jahren Teil des Alltags sein. Bereits jetzt können wir die ersten Schritte hin zum voll vernetzen Menschen beobachten.

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Genau genommen ist das bereits seit den Anfängen des Internets der Fall: Ich kann z.B. problemlos mit meinen Kollegen in Amerika chatten und an ihrem Leben teilhaben. Täglich verbringen die meisten von uns mehrere Stunden vor Bildschirmen, in denen wir (virtuell) den Alltag von anderen Menschen beobachten. Manchmal von Bekannten, manchmal von Personen, die wir nie „in echt“ getroffen haben.

Die virtuelle und physische Realität verschwimmen

Gerade jetzt befinden wir uns im nächsten wichtigen Schritt: nämlich der Aufweichung von Grenzen zwischen der virtuellen Umgebung und dem realen Alltag. Immer mehr Technikgegenstände und Haushaltsgeräte kommen auch im ganz normalen Durchschnittshaushalt zum Einsatz. Sie sind mit dem Internet oder dem Smartphone verbunden und können mit der ganzen Welt kommunizieren.

Je weiter diese Geräte in unseren Alltag vordringen, desto stärker wird sich auch unsere Gesellschaft unglaublich verändern. Wir sind mittendrin in dieser Entwicklung. Sie bietet unzählige Chancen, unser Leben entscheidend zu verbessern. Doch die Umstellung ist nicht immer einfach oder perfekt.

Elektrische Zahnbürste statt Zahnarzt

Die Vernetzung macht selbst vor langweiligen Alltagsgegenständen wie Zahnbürsten nicht halt. Wer hätte noch vor einigen Jahren gedacht, dass sich eine Bürste mit dem Smartphone verbinden lässt? Genau das tut diese elektrische Zahnbürste mit Bluetooth – und analysiert während des Zähneputzens das Verhalten in Echtzeit.

Die eingebaute Positionserkennung erkennt die Putzgewohnheiten und macht automatische Verbesserungsvorschläge. Statistiken werden in der App gespeichert und könnten in Zukunft für Umfragen, Gespräche mit dem Zahnarzt oder wissenschaftliche Studien verwendet werden. Auch andere Institutionen wie Krankenkassen könnten in Zukunft besser über die Putzgewohnheiten Bescheid wissen (natürlich nur auf freiwilliger Basis).

Heutzutage mögen solche Features nur eine nette Spielerei sein, doch in Zukunft könnte damit der Grundstein für individuelles Zähneputzen gelegt werden. Ein Nutzer hat seine Dritten? Die Zahnbürste wählt automatisch die richtige Intensität. Anwender 2 hat sensibles Zahnfleisch? Sanftes Putzen wird aktiviert und die Daten zur Beobachtung automatisch an den Zahnarzt gesendet.

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Automatische Vernetzung

Das alles könnte bald ohne das Zutun des Benutzers geschehen: digitale Assistenten könnten das für uns übernehmen. Google setzt bereits seit einiger Zeit auf Maschinenlernen und semi-künstliche Intelligenz. Der neueste Messenger Allo hat bereits einen Chatbot, der wie ein Sekretär Aufschluss über anstehende Events gibt oder Fragen automatisch beantwortet.

Das wird in Zukunft sicher noch ausgeweitet werden und wir werden nur noch über die verschiedenen Vernetzungen benachrichtigt (ohne die eigentliche Arbeit erledigen zu müssen). Der Assistent könnte z.b. automatisch einen Platz im Restaurant buchen, während wir uns gerade auf dem Heimweg befinden.

Einfach, weil er unser vorheriges Verhalten analysiert hat und über unsere nächsten Schritte Bescheid weiß.

Die Smartwatches von Apple und anderen Herstellern zeigen ganz schön, wo die Reise im Consumer-Bereich hingeht: weg vom Input und hin zu den Benachrichtigungen. Der Nutzer überblickt das Geschehen, anstatt selbst einzugreifen.

Für Techniknerds wie mich mag das alles etwas bedenklich erscheinen – um unser Leben zu steuern, benötigen die Algorithmen natürlich auch Zugriff auf unsere Daten. Das kann unter Umständen zu Missbrauch führen, falls die Auswertung dieser Daten nicht entsprechend reguliert wird.

Doch ich bin Realist: die meisten Menschen haben mit Technik nicht viel am Hut und sie ziehen die Bequemlichkeit dem Datenschutz vor. Natürlich haben die wenigsten Bedenken, ihre Putzgewohnheiten per Zahnbürste mit anderen zu teilen, falls sie davon gesundheitlich profitieren.

Risiken, aber auch Chancen

Der vernetzte Alltag wird kommen, ob wir wollen oder nicht. Die Vorteile sind einfach zu groß, um sie zu ignorieren. Mittels Algorithmen könnte sich nicht nur unsere Gesundheit verbessern, sondern auch unser Alltag erleichtern.

Ein vernetzter Kühlschrank könnte uns zum Beispiel helfen, die Ernährung umzustellen, indem er einfach nur gesundes Zeug aus dem Internet bestellt (das per Drohne geliefert wird). Smartmeter könnten den Stromverbrauch einer Stadt so zu optimieren, dass das Netz möglichst optimal ausgelastet wird. Das kann nicht nur Kosten sparen, sondern auch Ressourcen.

Egal ob Alltag, Umweltschutz, Freizeitaktivitäten oder schlichter Kommerz: die Möglichkeiten sind genauso grenzenlos wie vielversprechend.

Wie also damit umgehen?

Um den Fortschritt möglichst für alle zugänglich zu machen, ist es nötig, sich bereits jetzt Gedanken um unsere Zukunft zu machen. Die Grundsteine unseres vernetzten Alltags müssen wir bereits jetzt legen.

Gesetze und transparente Umgangsweisen mit großen Datenmengen müssen her. Um Missbrauch zu verhindern, ist mehr nötig als zahnlose Datenschutzabkommen. Die größte Vorsicht ist sicher bei Open-Health angebracht. Hier geht es nicht nur ums Zähneputzen, sondern auch um lebenswichtige Daten, die in den falschen Händen großen Schaden anrichten könnten.

Das Zukunftsinstitut hat ein paar interessante Ausblicke für die Zukunft zusammengefasst. Die neue Realität mag nicht jedermanns Sache sein, doch eines ist sicher: Sie kommt. Egal, ob man ein Verfechter von möglichst viel Datensammeln und immer neuen Vernetzungen ist oder mit dieser Entwicklung nichts anfangen kann: Sie schreitet mit großer Geschwindigkeit vorwärts.

Konzerne wie Google und Apple treiben die Suche nach neuen Algorithmen voran, welche unser Leben verbessern sollen (und natürlich ordentlich Profit in die Kassen der Shareholder spülen). Die wichtigsten Schritte für diese Zukunft wurden bereits gelegt, weshalb wir uns alle bemühen sollten, sie grob zu verstehen.

Nur dann können wir nämlich die uns erwartenden Entwicklungen aktiv mitgestalten und partizipieren. Nur dann können wir selbst den Grundstein legen für einen Alltag, der nicht nur bequem ist, sondern auch transparent, gerecht und gesellschaftlich sinnvoll. Anstatt diese Entwicklungen abzulehnen (was ohnehin nichts bringen wird), sollten wir lieber versuchen, das Geschehen zu bestimmen.

 

Bildquelle: morguefile by kolobsek, jdurham

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